Die Freiherr-von-Schütz-Schule besteht seit 1820 und ist die älteste Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Hessen.

5. Buchstabe = "H" wie HundGründer der Schule war der taubstumme Freiherr Hugo von Schütz aus dem nassauischen Geschlecht derer von Schütz zu Holzhausen. Er hat im Alter von 6 Monaten sein Gehör verloren und war ab dem 8. Lebensjahr im Taubstummen-Institut Wien unterrichtet worden. 1797 kehrte er nach Camberg zurück und unterrichtete dort seine drei taubstummen Brüder in einem Raum des „Amthofes“.
1810 kamen auch Gehörlose aus anderen Orten hinzu und so entwickelte sich  ein privates Taubstummen-Institut. Immer mehr Eltern baten um die Aufnahme ihrer hörgeschädigten Kinder in dieses Institut, da sich das erfolgreiche Wirken des Hugo von Schütz schnell herumsprach.
(Abbildung: Freiherr von Schütz zu Holzhausen 1780-1848, Gemälde im Schulkonferenzzimmer, Maler unbekannt)

1818 unterrichtet er 16 gehörlose Kinder. Hierdurch wurde die Regierung angeregt, die Privatschule als Staatsschule zu übernehmen und auszubauen. Am 9. November 1819 genehmigte das herzogliche Staatsministerium, dass "das für das Herzogtum sehr nützliche Institut zum Unterricht der Taubstummen" vorerst auf unbestimmte Zeit aus Allgemeinstaatsmitteln unterstützt werden solle. Hugo von Schütz wurde gebeten, nicht nur den Unterricht der Taubstummen zu übernehmen, sondern auch weitere Lehrkräfte in der Methode des Unterrichtens Gehörloser zu unterweisen. Er wurde der erste Direktor dieser Lehranstalt und ein Nebengebäude des heutigen Hotels „Guttenberger Hof" diente von nun an als Schulhaus.
 

Am 15. Juni 1820 wurde das "Herzoglich  Nassauische Taubstummeninstitut" feierlich eröffnet. Im selben Jahr schon stieg die Zahl der Schüler auf 25. Die Gründung dieser besonderen Bildungsstätte und ihre staatliche Förderung vollzog sich im "Nassauer Land" mit seinen damals 350.000 Einwohnern zu einer Zeit, da weitaus größere Staaten noch nicht daran dachten, sich dem Problem der Bildung und Erziehung Hörgeschädigter zu widmen. Die heute vorherrschende Lautsprachmethode wurde damals nur bei den begabtesten Schülerinnen und Schülern versucht, es dominierten noch Gebärden- und Schriftsprache. Statt des Absehens der Laute von den Lippen bediente man sich auch des Fingeralphabets nach der sogenannten französischen Methode.
(Urkunde groß mit Text-”Übersetzung”)

Wegen Krankheit musste Freiherr Hugo von Schütz sein Amt bereits mit 48 Jahren niederlegen. Er erhielt weder eine Abfindung noch eine Pension. Am 22. Juni 1847 verstarb er.

1903 setzte man ihm ein Denkmal mit der Inschrift „Tu’ deinen Mund auf für die Stummen" (Sprüche Salomos 31,8).

(
Abbildung: Grabstein des Schulgründers auf dem alten Friedhof zu Wiesbaden. Grabstein groß mit Inschrift)

Durch die ständige Zunahme der Schülerzahl - es wurden in Camberg nicht nur nassauische Taubstumme, sondern auch solche aus den angrenzenden Provinzen und dem Großherzogtum Luxemburg unterrichtet - reichten die vorhandenen Schulräume schon bald nicht mehr aus. Über 50 Jahre hatten sie Unterrichtszwecken gedient. Im Jahre 1874 schenkte die Stadt Camberg der damaligen Taubstummen-Anstalt ein großes Gelände an der Frankfurter Straße. Darauf wurden ein großes Schulhaus mit Nebengebäuden und einer Turnhalle errichtet. 1875 fand deren feierliche Einweihung statt. Seit nunmehr 120 Jahren werden diese Häuser ihrer Bestimmung gemäß genutzt.
 

1873 übernahm der kommunalständige Verband im Regierungsbezirk Wiesbaden die Schulträgerschaft und Schulaufsicht und 1911 wurde die Schulpflicht für taubstumme Kinder eingeführt. Unter dem Nationalsozialismus begann eine schwere Zeit für taubstumme Menschen. Die beiden Schulen Camberg und Homberg wurden mit der Frankfurter Schule zur Landesgehörlosenschule Frankfurt/Main zusammengelegt. Nur noch wenige Kinder konnten diese Schule besuchen. Infolge der starken Bombenangriffe wurde im Oktober 1943 die Schule allerdings nach Camberg zurückverlegt. Seit 1946 besteht sie dort wieder als eigenständige Einrichtung.
 

1953 übernahm der Landeswohlfahrtsverband Hessen die Schulträgerschaft, um die finanziellen Voraussetzungen für einen behinderungsspezifischen Unterricht zu schaffen. 1971 erhielt die Schule den zusätzlichen Bildungsauftrag, schwerhörige Kinder aufzunehmen.
 

Seit den Gründungstagen der Schule waren die Schülerinnen und Schüler in Camberger Familien untergebracht. Es entwickelte sich über Generationen hinweg in der Stadt die Tradition der Familienpflege für hörgeschädigte Schüler. Die Aufgabe der Pflegeeltern, eine gute "Miterziehung“ und besondere Betreuung zu leisten, hat in Bad Camberg immer Unterstützung und Anerkennung erfahren. Noch heute bestehen enge Bindungen zwischen den ehemaligen Pflegekindern und ihren Pflegefamilien.
 

1971 wurde im ehemaligen Camberger Amtsgericht das erste Internat eröffnet. Immer mehr Schüler wurden statt in Familienpflegestellen in das Internat aufgenommen, so dass bald mehrere Gebäude in Bad Camberg und auch in Idstein zur Internatsunterbringung hörgeschädigter Schülerinnen und Schüler genutzt werden mussten. 1989 konnte das ehemalige Camberger Krankenhaus, das "Gisbert-Lieber-Haus " als von Grund auf saniertes Internatsgebäude mit großzügigen Spielanlagen und Freiflächen bezogen werden.
 

Im "Gisbert-Lieber-Haus" befinden sich auch die Horträume derjenigen Schülerinnen und Schüler, die durch den Ausbau der Schülerbeförderung nun täglich zwischen Elternhaus und Schule pendeln können. Ein Schulneubau wird ab Mitte des Jahres 2000 allen Lerngruppen neue Klassen- und Fachräume bieten, die nach neuesten pädagogischen und technischen Erfordernissen ausgestattet sind.
 

Die der Schule angegliederte Pädoaudiologische Frühberatungsstelle befindet sich seit 1994 in einem der Schule unmittelbar benachbarten Gebäude. Die Einzugsbereiche von Frühförderstelle und Schule sind identisch.
 

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Freiherr-von-Schütz-Schule Bad Camberg